Nach dem Selbstmord meiner Schwester im Jahr 2000 begab ich mich in Psychotherapie, auch weil ich die Belastungen meiner Herkunftsfamilie nicht unwissentlich an meine Söhne weitergeben wollte. Von dem man weiss, das kann man lenken... Der Therapeut, den ich damals mehrfach im Jahr aufsuchte, hatte seine Praxis im südlichen Bayern, nicht weit von den Alpen. Auf einer der Zugfahrten dorthin fiel mir eine kroatische oder serbische Zeitung in die Hände. Sie zeigte eine Karikatur, die ich mir herausriss und lange im Geldbeutel trug. Sie wurde zum geheimen Motto jener Jahre.

Dargestellt war links eine brennende Hundehütte und rechts ein Trupp von Feuerwehrleuten, den Löschschlauch in der Hand. Der rettende Wasserstrahl erreichte aber die Hütte nicht ganz. Warum? Weil der in der Hütte angekettete Hund die Feuerwehrleute wütend anbellte und nicht nahe genug heranliess. Mit anderen Worten: Er verhinderte seine eigene Rettung.

Während der Therapie, die in Zehnergruppen stattfand, konnte ich immer wieder beobachten, wie wir uns gegen die angebotene Hilfe wehrten - ein in Therapieen häufiges Phänomen übrigens. Die Schmerzen, die uns hierhergebracht hatten, mochten unangenehm sein. Sie hatten allerdings den Vorzug des Vertrauten. Wenn es sie nicht mehr gab - was gab es dann? Diejenigen unter uns, denen es so dreckig ging, dass bei ihnen nicht nur die Hütte, sondern schon der Pelz brannte, hatten es in der Hinsicht einfacher. Sie sprangen entschlossen ins Unbekannte, denn schlimmer als das Bekannte würde es nicht sein können.