Wenn man davon ausgeht, dass eine Generation 20 Jahre umfasst, dann genügen 40 Generationen, um den Zeitraum von heute bis zum Hochmittelalter auszuschreiten. Anders gesagt: Vierzig Männer oder Frauen, die einander jeweils Vater oder Mutter gewesen sind, bilden eine Zeitenkette zurück ins Jahr 1211.

Man kann sich die vierzig hintereinander, in einer Schlange, vorstellen. An der Spitze der Schlange stehe ich. Hinter mir steht mein Vater. Hinter ihm seine Mutter, meine Großmutter. Hinter ihr wiederum ihre Mutter, meine Urgroßmutter, die ich nicht mehr kennengelernt habe.

Vierzig Personen. Das ist nicht viel. Das sind gerade mal anderthalb Klassenzimmer. Vierzig Personen: So viele stehen in der Weihnachtszeit manchmal an den Kassen der Kaufhäuser an.

Weitere vierzig, also insgesamt achtzig, und wir sind im Jahr 411. Germanen. Langhäuser. Riesige Wälder. Unverständliche, aber irgendwie auch vertraut klingende Sprache.

Weitere zwanzig, und wir sind in der Zeit um Christi Geburt.

Weitere eintausend. Die Höhlenmalereien von Lascaux. Auerochsen, Pferde, Hirsche im Licht von Fackeln oder Öllampen auf den Fels gemalt.

Zehntausend. Letzer gemeinsamer Vorfahr von modernem Mensch und Neanderthaler.

Fünfzigtausend. Homo Erectus. Seine Nase ist ein wenig zu flach, die Brauenwülste sind ein wenig zu ausgeprägt. Ansonsten aber: Er ist ein Mensch wie ich, mein Vorfahr.

Hunderttausend. Homo Habilis. Ist er ein Affe? Ist er ein Mensch? Haare überall, der Schädel winzig, aber nachts zündet er Feuer an, um die Raubtiere fernzuhalten.

Hundertfünfzigtausend. Australopithecus africanus. Aufrecht auf zwei Beinen zwar, aber wenn ihn ein Raubtier jagt, flüchtet er wie ein Affe hinauf in die Bäume.

Zweihunderttausend. Australopithecus anamensis. Ein Affe ganz und gar, aber auf zwei Beinen. Zweihunderttausend Vorfahren also bin ich vom Tierreich entfernt; die Schlange ist rund 50 Kilometer lang.

Es gibt kaum etwas, was mich mehr in Erstaunen versetzt.